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Familienforschung: Spurensuche in Chodziez/Kolmar 2005
Die Ahnentafel nacherleben

Hamburg,

Neugier treibt uns nach Polen:

Otto Ludwig Hans Graf von Königsmarck (1815 - 1889) ist nach einer Familienüberlieferung der biologische Vater von Johannes Kaminski (*1857 in Papiernia) ). Die Beziehung zu der Polin Anna Justina Pedzinska (*2.9.1837 in Milcz) macht die Grafenfamilie von Königsmarck zum Teil unserer Familiengeschichte.

Was hat dieser Otto von Königsmarck mit Kolmar zu tun, wo er nach Internetrecherchen doch 1815 in Berlin geboren wurde und beruflich dort u.a. preussischer Staatsminister für Landwirtschaft war?

Ein erster Hinweis aus seiner Biografie führt nach Kolmar: Sterbeort ist Ober-Lesnitz 1889. Eine Landkarte mit deutschen und polnischen Ortsnamen bringt uns weiter: Oberlesnitz ist das polnische Olesnica nur wenige Kilometer von Kolmar/Chodziez entfernt.

Da muss man doch was finden können. Dieser Gedanke motiviert uns.


Wir fahren auf der Landstrasse 183 kilometerlang durch Wald in Richtung Chodziez.






Noch bevor wir nach Chodziez hinein fahren, nehmen wir die Abzweigung nach Olesnica/Oberlesnitz. Wenn der Graf Königsmarck hier gestorben ist, muss er doch hier auch gewohnt haben. Wir steuern den Gutshof (links) an. Später erfahren wir, dass dort Schnaps gebrannt worden ist.






Hinter dem Gut verbirgt sich am Waldrand ein grosses Herrenhaus (Palais), links daneben ein kleineres. Wir sind uns gefühlsmässig sicher, dass Otto von Königsmarck nur hier gewohnt haben kann. Später erfahren wir, dass es Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut worden ist, also vermutlich von Otto von Königsmarck.




Die landschaftsgärtnerisch repräsentativ angelegte Auffahrt ist von der Freitreppe aus gut zu erkennen.





Das Herrenhaus beherbergt eine Schule und eine Vorschule. Es sind Ferien. Das Haus ist geschlossen. Keine Tafel weist auf die früheren Bewohner hin. Auch wenn das Herrenhaus jetzt polnisch ist, behält es weiterhin den geschichtlichen Bezug zu Deutschland.





Die Gartenseite des Herrenhauses. Die Architektur des Gartens ist kaum noch zu erkennen.



Im Jahre 2008 bekommen wir dieses Foto von Polen aus der Nachbarschaft des Herrenhauses. Es soll aus den der Zeit um 1930 stammen.






Direkt an der ehemalige Gartenanlage des Herrenhauses hat man Wohnblocks hochgezogen. Ein betrüblicher Kontrast, den wir in Polen immer wieder gefunden haben.





Das zweite Herrenhaus auf dem Gelände wird privat genutzt. Wir erfahren, dass es zu Beginn des 19. Jahrhunderts von der polnischen Grafenfamilie Grudzinski errichtet wurde. Seit 2007 lebt eine junge Familie aus Posen in dem Haus. Sie ist bereit, für an Olesnica Interessierte als Ansprechpartner zu fungieren.






Auf einer handgemalten Wanderkarte finden wir alle Orte, die familienhistorisch für uns interessant sind: Olesnica, wo Otto von Königsmarck wohnte, das Bauerndorf Milcz im Norden, in dem Anna Justina Pedzinska am 2.9.1837 geboren wurde. Mit ihr hatte Graf Königsmarck ein Techtelmechtel. Papiernia (Buchwalde, Forsthaus Oberlesnitz), ein Forsthaus nordwestlich von Olesnica, in dem das daraus entstandene Kind Johannes 1857 geboren wurde. Zur Legalisierung des Kindes heiratete Anna Justina Pedzinska am 18.10.1857 in Chodziez Stanislaus Kaminski. Sohn Johannes Kaminski heiratet später Emma Gebler aus Ujscie/Usch.






Unser erster Weg führt uns in die Bibliothek von Chodziez.






Hier lesen wir, dass die Stadt Chodziez und Umgebung von 1648 bis 1830 der polnischen Grafenfamilie Grudzinski gehörte. 1848 kaufte Otto Königsmarck die Stadt und umgebende Ländereien von Zwischenbesitzern und behielt sie -von Einzelverkäufen wie dem Gelände des abgebrannten Schlosses an die Porzellanfabrikanten Schnorr und Müller abgesehen- bis 1886. Das Gebiet gehörte seit 1815 zu Preussen. 1878 wurde Chodziez in Kolmar in Posen umbenannt, 1879 die Eisenbahnlinie von Poznan/Posen nach Pila/Schneidemühl eingeweiht.

Das sehr hilfreiche Bibliothekspersonal stellt Kontakte zu geschichtlich interessierten Bürgern her, die uns weiter helfen könnten. Wenn Otto von Königsmarck in Oberlesnitz gestorben ist, muss er ja auch hier irgendwo begraben sein.






Wir fahren zum Friedhof. Eigentlich können wir uns nicht vorstellen, dass Otto von Königsmarck hier begraben liegt, aber irgendwo muss die Suche beginnen. Wir kommen einige Monate zu spät. Der protestantische Teil des Friedhofs von Chodziez ist auf Anweisung des zuständigen Pastors aus Pila gerade mit grossem Gerät eingeebnet worden. Nur noch wenige Grabsteine sind erhalten.






Damit ist nicht nur eine wichtige Quelle für Familienforschung zerstört worden, sondern auch ein Ort des Gedenkens. Eine Betonmauer ohne Durchlass trennt den künftig überkonfessionellen Friedhofsteil vom protestantischen.

Von einem Pastor in Chodziez erfahren wir, dass nur noch ein altes Kirchenbuch existiert. Er zeigt es uns. Es betrifft die Gemeinde Samotschin/Szamocin. Dort haben keine Verwandten von uns gelebt.



Der Leiter des Heimatvereins in Chodziez und der jetzige Besitzer eines Teils des Gebietes erzählen uns, dass Königsmarck-Gräber im Wald von Olesnica existieren. Sie seien schon dagewesen. Wir machen uns gemeinsam auf die Suche, finden aber lange Zeit nur Bäume. Nichts ist ausgeschildert. Wir stellen uns vor, wo ein angemessener Platz für eine Grabstelle im Wald liegen könnte: In der Nähe des Herrenhauses. Die erneute Suche macht uns fündig.

Man erreicht den Ort,wenn man den Trampelpfad an der Vorderseite des kleinen Herrenhauses in den Wald folgt, bis man nach ca. 50 m einen Weg erreicht. Den geht man nach links. Nach weiteren ca. 100 m führt der Weg in eine Senke. Rechts ist eine Quelle, die aus einer halbrunden Anhöhe heraussickert (Foto, 2008). Auch links vom Weg eine Wasserstelle. Auf der halbrunden Anhöhe hinter der Wasserstelle sind die Gruften der Königsmarcks in den Waldboden gemauert. Der zugewucherte Weg dahin beginnt unmittelbar, nachdem man die Senke wieder verlassen hat rechterhand nach ca. 50 m. In einem weiten Bogen geht es ca. 80 m an der Grabstelle vorbei. Nach rechts durchs Unterholz erreicht man die Gräber. Hier existiert kein Weg. Leider ist alles zugewuchert, so dass die Symbolik und die grandiose Landschaftsarchitektur der Anlage kaum mehr erkennbar sind.







Die Gräber sind zerstört. Grabsteien umgeworfen, Gruften geöffnet. Hier blickt man in die mit Rotstein ausgemauerte Gruft eines der ca. 5 Gräber. Sie ist etwa 2,5 m tief , ca. 4 qm gross.





Diese Gruft ist eingefallen. Die Reste des Grabkreuzes auf dem Foto enthalten eine Inschrift. Sie ist kaum zu lesen. Wir pausen sie durch: Walter Franz Albrecht von *** geb. 22. Jan. 1817 gest. 18**. (Foto 2008)





Dieser Grabstein gibt uns Gewissheit, dass es sich um die Grabanlage der Königsmarcks handelt. Wir buddeln ein wenig im Waldboden und können die Inschrift vollständig lesen.






Axel Graf von Königsmarck Rittmeister im Dragoner Regiment geb. 1.10.1878 (1876 in:The titled nobility of Europe) in Oberlesnitz gefall. 19.11.1914 für König und Vaterland. Daraus schliessen wir, dass auch andere Familienmitglieder der weitverzweigten Königsmarck-Familie hier noch lange gelebt haben. Möglicherweise haben sie auch in Abwesenheit von Otto von Königsmarck sein Anwesen verwaltet. Zu Hause schlagen wir im Genealogischen Handbuch Gräfliche Häuser Bd. VII 1973 nach. Auf Seite 248 werden wir fündig.

Axel Graf von Königsmarck ist am 19.11.1914 bei Pabianice, Russisch Polen (17 km südwestlich von Lodz) gefallen. Er war Kgl. preuß. Rittmeister und EskChef im Dragoner-Rgt. 4 in Lüben, preußisch Schlesien. Axel Graf Königsmarck hatte kurz vor seinem Tod am 4.4.1914 Maja von Karaß geheiratet, (* Ludwigsburg 9.9.1880, † Olbendorf 9.6.1945). Maja Karaß heiratet nach dem Tod von Axel Graf Königsmarck in ihrer dritten Ehe am 8.5.1921 Otto Hans Georg Wilhelm von Königsmarck, *14.11.1872 Ober-Lesnitz, † 15.4.1934 in Olbendorf). Auch für Otto Hans Georg Wilhelm von Königsmarck ist es die dritte Ehe. Otto Hans Georg Wilhelm von Königsmarck ist ein Sohn von Otto Wilhelm Graf von Königsmarck, * 21.7.1840 in Stettin, und ein Enkel von Graf Otto von Königsmarck (*1815 †1889). Die Eltern von Axel Graf von Königsmarck sind O t t o Wilhelm Graf von Königsmarck, * Stettin 21.7.1840 in Stettin und Karoline Gräfin von Pückler, Freiin von Groditz, * Nieder-Kunzendorf 28.6.1852, † Obernigk 3.2.3.2.1922.

Familiengrabstätte Ober-Lesnitz
Folgende Familienmitglieder sind in Oberlesnitz gestorben und dort vermutlich auch begraben:

O t t o Wilhelm Graf von Königsmarck
* Stettin 21.7.1840, † Ober-Lesnitz 21.8.1879

Hans Ludwig O t t o Graf von Königsmarck
* Berlin 2.3.1815, † Ober-Lesnitz 2.5.1889

Helene geborene von Klitzing verheiratete von Königsmarck
* Demerthin 13.11.1815, † Ober-Lesnitz 31.10.1899

A x e l Lebrecht Wichard Johannes Graf von Königsmarck
* Ober-Lesnitz 1.10.1876, † gefallen bei Pabianice, Russisch Polen 19.11.1914

Hintergrund:
Königsmarck, Otto Graf von, geb. am 2. 3. 1815 in Berlin, 1842 - 1848 Landrat des Kreises Osthavelland (Sitz Nauen), 1869 - 1873 Oberpräsident der preuß. Provinz Posen, 1873 Landwirtschaftsminister, 1855 - 1889 Mitglied d. preuß. Herrenhauses, verst. am 2. 5. 1889 in Ober-Lesnitz.

Otto Graf von Königsmarck (ev.) heiratet 1839 Helene von Klitzing aus dem Hause Demerthin. Sie bekommen zwei Töchter, die das Adelslexikon nicht namentlich erwähnt sowie vier Söhne (aus: Neues allg. Deutsches Adels-Lexicon, 5. S. 202 und Genealogisches Handbuch Gräflicher Häuser.A. Bd. VII, 1973, Gesamtreihe Bd. 56, S. 247 ff):

Otto Wilhelm Graf von Königsmarck, * Stettin 21.7.1840, † Ober-Lesnitz 21.8.1872, °° in Rogau 5.2.1872 Karoline Gfin v. Pückler

Ludwig Graf von Königsmarck, *1841 (Linie erloschen)

Kurd Graf von Königsmarck, *1846 (Linie erloschen)

Adolf Wichard Graf von Königsmarck, *Ober-Lesnitz 7.2.1852, †
Schweinitz Kr. Grünberg 18.10.1922


Otto Graf von Königsmarck besaß die Allodialherrschaft Chodziesen-Olesnitz.
Allod ist das freie Eigengut einer Adelsfamilie, im Gegensatz zum Lehen.

In Ober-Lesnitz wohnten dre Generationen der Familie von Königsmarck. Der Zeitraum umfasst mindestens die Jahre 1852 - 1914



Ein Mann aus Olesnica zeigt uns den Weg nach Papiernia. Kilometerweit im Wald stand hier zwischen zwei Seen noch bis vor 10 Jahren ein Forsthaus, in dem Johannes Kaminski 1857 geboren wurde. Ein sehr einsamer, aber wunderschöner Ort.






Heute gibt es noch Fischwirtschaft in den Seen. Früher mag hier auch einmal eine Papierfabrik gestanden haben, denn Papiernia heißt Papierfabrik. Das Gefälle zwischen den Seen könnte auch eine Wassermühle angetrieben haben.





Heute führt ein Wanderweg hindurch, der 3300 m vor der Kreuzung der 11 mit der 183 von der Landstrasse 183 bis zur Hauptstrasse Nr. 11 führt. Rechts auf dem Hügel stand das Forsthaus.


Blick vom Hügel in Richtung Teich, auf dem früher daas Geburtshaus von Johannes Kaminski stand. (Foto 2008)




Wir radeln nach Milcz. Von hier kommt Anna Justina Pedzinska *1826, die Mutter von Johannes Kaminski. Es ist ein kleines Bauerndorf. Wir suchen das älteste Haus (Foto). Es ermöglicht uns in unserer Fantasie einen Zeitsprung zurück. Im Telefonbuch der Region sind mit ihrem Namen keine Eintragungen zu finden. Kaminskis in Chodziez/Kolmar finden sich viele.






Diese Allee bei Milcz haben die Straßenbauer glücklicherweise nicht asphaltiert. Wir wissen immer noch nicht, wo Milcz Holadry - auch: Milczewskie Oledry, Miltschhauland - nun wirklich ist. Wieder zu Hause entnehmen wir die genannten Namensversionen dem Internet. Und die Information, dass schon um 1900 niemand dort mehr lebte. Immerhin können wir daraus schliessen, dass es Milcz Holadry wirklich gab. Vielleicht an dieser Strasse.
2006. Ich erhalte die folgende Information: Miltsch Hauland, oder Milczewskie Holendry, wurden Siedlungen rund um das heutige Dorf Milczek genannt. Milcz-"Dreihaus" heute ist nur "Ein-Haus", wird seit 1790 bis heute von Familie Wienke bewohnt. Diese kleine Siedlung "Milcz-Dreihaus" wird in alten Kirchenbuechern auch mit folgenden Namen versehen: 1796 Olendry Milczewskie, 1796 Kolonia Milczewska, 1825 Milczewskie Holendry,1825 Milcz Holendry,1828 Milcz Holendry, 1831 Milcz Holendry, 1833 Milcz, 1833 Milczewskie Holendry, 1835 Milcz Coloniae Drejhaus, 1837 Milcz Coloniae Dreyhaus, 1839 Milczewskie Hauland alias Trzydomy (=poln.drei Haeuser), 1866 Milcz-Vier-haus, 1866 Milcz-Dreihaus, 1871 Milcz - Dreihaus.




Chodziez/Kolmar ist ein hübsches Städtchen mit viel alter Bausubstanz, die bis heute immer weiter saniert wird. Im Bild die alten Weberhäuschen an der Strasse Kosciuski, die ursprünglich von Deutschen bewohnt waren. Sie führt zum zentralen Platz in Chodziez, dem Rynek.




Der Rynek-Platz wird von der katholischen Kirche aus dem Jahre 1840 geprägt. Hier wird Anna Justina Pedzinska am 18.10.1857 Stanislaus Kaminski geheiratet haben. Als Polen waren sie beide katholisch.





An den anderen Seiten des Rynek stehen zweigeschossige Häuser aus der Gründerzeit. Chodziez liegt an mehreren schönen Seen. Wir erfahren, dass am Jezioro Karczewnik das Schloss Warow steht, das jetzt im Privatbesitz ist und derzeit völlig saniert wird. Es gehörte einmal einer adeligen Familie. Wir fahren hin.





Eingewachsen von Wald liegt das Schloss Warow erhöht über dem See gegenüber der Stadtbebauung am Ende der Strasse Karczewnik. Aus der Entfernung ist es links im Bild kaum auszumachen. Das Schloss verfügt über einen charakteristischen Turm mit kegelförmigem Dach.





In diesem Schloss wohnte zu Zeiten Otto von Königsmarck die Familie des Barons von Lüttwitz. Uns wird erzählt, dass eine Tochter des Otto von Königsmarck in die Familie von Lüttwitz einheiratet und auf Schloss Warow gewohnt hat. Nachkommen leben noch heute in Schleswig-Holstein. 2015. Das Schloss Warow ist vom neuen Eigentümer, dem polnischen Unternehmer Dr. Eugeniusz Bogdan äußerlich saniert worden ist. Die heute 90jährige Ella Freifrau v. Lüttwitz-Heinrich erinnert sich an ihre Kindheit auf Warow: Der Alltag der Familie lief sehr bescheiden ab. Das war den wirtschaftlichen Einschränkungen in der Zwischenkriegszeit geschuldet... Gegessen wurde nur, was auf dem Gutshof und im Garten erzeugt wurde und natürlich Beeren und Pilze, die sie mit ihrer Mutter und den Brüdern Brüdern sammelte. Die Geschwister Ernst, Ella und Rochus erhielten auf dem Schloss Grundschulunterricht durch einen Hauslehrer. Danach kamen sie auf ein Internat in Schlesien." Im Januar 1945 flüchtet Ella v. Lüttwitz von Posen in den Westen. Sie kommt mit ihrer Mutter Lidy v. Lüttwitz auf einem Gut im schleswig-holsteinischen Emkendorf unter. Ihr Bruder Ernst gilt seit Januar 1945 in Danzig als vermisst. Ella v. Lüttwitz heiratet 1955 Helmuth Heinrich, den Sohn des Gutsbesitzers. Ende der 80er Jahre fährt Ella v. Lüttwitz-Heinrich nach Warow. Im Schloss fand sie ein Kinderheim vor. Sie gab sich nicht zu erkennen. Das Haus war verwahrlost. Kolmarer Heimatbrief Ausgabe 50, 2015, S. 29f.



Schliesslich bekommen wir noch ein erstes Foto zu sehen. Es soll sich beim Kind um die Tocher von Otto Graf Königsmarck handeln. Die Jahreszahl am unteren Rand 1896 zeigt uns, dass das nicht stimmen kann. Es handelt sich möglicherweise um ein Vier-Generationen-Foto. Knüpft man an das Geburtsjahr des Otto von Königsmarck an (1815), könnte eine der älteren Damen die Tochter von ihm sein. Die Kind ist ist demnach zumindest seine Enkelin. Mit der Maus können Sie das Foto vergrössern. 2015. Es ist ein Vier-Generationen-Foto.: Die ältere Dame ist Helene v. Königsmarck, Witwe Ottos v. Königsmarck, links davon  ihre Schwiegertochter Luise v. Königsmarck verwitwete v. Katte (vermählt mit Wilhelm v. Königsmarck) und deren Tochter Ella v. Katte vermählte v. Lüttwitz mit Sohn Rochus v. Lüttwitz. Rochus erbte Oberlesnitz, sein Bruder Ernst (+1945) Warow.



Wir sind in Ujscie/Usch. Die evangelische Kirche des Ortes ist verwaist, der dazugehörige Friedhof aufgelöst. Es gibt hier kaum noch Protestanten im Ort, seit die Deutschen weg sind. Maria Seidel ist hier 1840 geboren und hat in dieser Kirche am 18.9.1864 Gustav Gebler aus Hennigsdorf/Angowice geheiratet. Die Tochter der beiden, Emma Gebler, geb. am 6.3.1867, heiratet am 26.7.1886 den Sohn Otto von Königsmarck, Johannes Kaminski.





Direkt vom Kirchplatz führt ein Weg in die Wiesen.






Usch liegt am Zusammenfluss von Netze/Votec und Küddow/Gwda und war dadurch vor dem Bau der Eisenbahn vermutlich auch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt.





Bei einem Essen vor der Rückfahrt versuchen wir, ein erstes Fazit zu ziehen. Wir haben nur freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen, die uns bei unserer Spurensuche vielfältig unterstützten. Privatleute, Geschäftsleute, Stadtverwaltung, Kirchen. Allerdings gibt es hier kaum Material zu sichten. Vieles, was an Deutsche erinnert, ist in der Zeit nach der Vertreibung ausgelöscht worden. Durch die Westverlagerung Polens nach dem zweiten Weltkrieg wurde dieses Gebiet endgültig polnisch. Viele jetzt polnische Häuser haben jedoch eine deutsche Geschichte, die nicht ausgelöscht werden kann.

Es wäre schön, wenn sich mehr Polen dafür interessierten. Deutsche Geschichte ist häufig auch ihre Geschichte. Eine gemeinsame Aufarbeitung verbindet Deutsche und Polen.

Wir freuen uns, das gerade im Lokal von Ryszard Poznanski feststellen zu können. Seine Menükarte zeigt sein Haus in einer historischen Aufnahme aus deutscher Zeit. Zur Vergrösserung gehen Sie bitte mit der Maus über das Foto. An den Wänden des Lokals hängen viele historische Aufnahmen aus Kolmar.



Der Herr und die Magd - eine literarische Verarbeitung
2006. Nach Abschluss einer Reise nach Litauen lese ich von Hermann Sudermann (* 30. September 1857 in Matzicken, Kreis Heydekrug, Memelland, † 21. November 1928 in Berlin) Die Reise nach Tilsit und andere Litauische Geschichten (1917).

Eine dieser Geschichten ist Die Magd. Die Magd heißt Marinke, eine Litauerin. Sie dient lange bei einem deutschen Herrn, erwartet ein uneheliches Kind von ihm und wird noch vor der Geburt mit Jurris, einem Landsmannn, verkuppelt. Die Ehe kommt nicht zustande, eine später geschlossene droht zu scheitern, da geht Marinke in ihrer Not nach Jahren zum Vater ihres Kindes.

"Eine Frau ist mit einem Kind da, aber sie spricht nichts." Da kam er, der Herr, selber die Treppe herab. Und sie neigte sich vor ihm und küßte ihm den Ärmel. "Ich kann nicht recht sehen", sagte er. "Bist du etwa die Marinke?" ...

"Komm herein", befahl er und schritt ihr und dem Kind voran die Stufen empor....


Der Vater weicht zunächst auf unpersönliche Konversation aus. Sie dachte bloß immer:" Und sein Kind sieht er nicht an." ...

"...es is rausgekommen, was zwischen ihnen gewesen ist, Herrchen, und mir." ...

"Nur du und ich haben´s gewußt", herrschte er sie an, "und von mir hat´s keiner erfahren."
....Später wechselt er den Tonfall.

"Marinke", sagte der Herr, "du bist einmal die Freude meiner Feierabende gewesen, und ich habe dir nie dafür gedankt. .... Diesem Jungchen will ich eine Mitgift geben, dreimal so groß, so daß er als ein wohlhabender Erbe gelten kann...

Die dachte bloß immer das eine: "Aus mir kann nun werden, was will. Das Kind ist fürs Leben geborgen."




Den vollständigen Text lesen Sie bei Hermann Sundermann, Die Reise nach Tilsit, Langen Müller, München 1989, S. 107ff.

Ahnentafel Kaminski


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Landkarte der Provinz
Posen um 1900





















































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