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Joachim, Egbert,
Bernd und Gerhard Johler (v.l.)

Gerhard Johler
in der Flugzeugkanzel einer He 111, in der er als Beobachter eingesetzt
war. Foto:Rädel
Gerhard Johler starb durch eine Flakgranate, die von unten nach oben das
Flugzeug durchdrang und zwei Löcher in das Flugzeug riss. Die Granate
schoss durch seinen Sitz neben dem Piloten und löste seinen Fallschirm
aus, der sich oberhalb des Flugzeugs entfaltete. Die dadurch eingeschränkten
Flugeigenschaften führten zu einem abrupten Absacken der Maschine um
mehrere tausend Meter. Die Scheiben der Kanzel waren zerstört, das
Flugzeug zeitweise steuerungsunfähig. Ein Abschneiden des Fallschirms
hätte vermutlich dazu geführt, dass Gerhard Johler durch das untere
Loch im Flugzeug herausgefallen wäre. Deshalb beschloss die Besatzung,
darauf zu verzichten und zum Stützpunkt Pleskau zurückzufliegen.
Dieser sehr langsame Flug in niedriger Höhe führte auch über
das Stadtgebiet von St. Petersburg. Glücklicherweise gab es kein feindliches
Feuer. Es war der sechste Feindflug der Besatzung.

Das Grab Gerhard Johlersauf dem Soldatenfriedhof Pleskau. Foto:Rädel
Brief des Staffelkapitäns
Heinrich Herzberg O.U.,
24. 6. 1943
Hauptmann
L 52 010
Lg.Pa. Königsberg
    Sehr
geehrter Herr Johler!
Als Staffelkapitän Ihres Sohnes
Gerhard habe ich Ihnen die traurige Mitteilung zu machen, daß Ihr
Sohn am 23. 6. 1943 bei einem Tagesangriff auf das Gebiet am Ladogasee den
Heldentod gestorben ist.
Das Flugzeug, in dem Ihr Sohn mit
3 weiteren Kameraden gegen den Feind flog, erhielt kurz nach dem Angriff
auf das befohlene Ziel einen Flakvolltreffer, bei dem ihr Sohn gefallen
ist. Nach Aussagen seiner Kameraden war er sofort tot.
Im Namen aller Staffelkameraden erlaube
ich mir Ihnen meine aufrichtige Teilnahme auszusprechen.
Ihr Sohn ist als tapferer und mutiger
Soldat gegen den Feind geflogen. Wir haben mit Ihnen einen guten Kameraden
verloren und werden ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahren.
Die Beisetzung unter militärischen
Ehren findet am 26. 6. 1943 auf dem Heldenfriedhof bei Pleskau statt.
       In
tiefem Mitgefühl
         Ihr
        Herzberg
    Hauptmann
und Staffelkapitän

Hauptmann Herzberg am Einsatzort Udine Oktober 1943
Brief des
Flugzeugführers der Maschine, in der Gerhard Johler umkam:
Im Osten, am 5. Juli 43
Liebe Familie Johler!
Kaum acht Wochen sind vergangen, seitdem wir mit Gerhard zu einem kurzen
Besuch bei Ihnen weilten. Voll freudiger Erwartung auf das Kommende und
voll Kampfeseifer nahmen wir von Ihnen Abschied. Wer konnte damals ahnen,
daß sie ihren Sohn zum letzten Male sehen sollten. Und am Anfang unserer
Bewährungszeit wurde er so jäh aus unserer kleinen Gemeinschaft
gerissen. Hart ist das Schicksal, doch wir sind zu klein, um daran etwas
ändern zu können. So bitten wir unseren lieben Herrgott, daß
er unsere Herzen stark macht, und er weiter bei uns bleibt.
Schon die wenigen Stunden, die ich
in ihrem Familienkreis verbringen konnte, zeigten mir, mit welch inniger
Elternliebe Sie an Gerhard hingen. Und so kann ich auch ihren Schmerz ermessen,
der Ihnen durch die Trauerbotschaft der Staffel bereitet wurde. So unendlich
groß die Elternliebe ist, so unendlich mag auch der Schmerz sein,
einen Sohn zu verlieren, der mit aller Liebe zu einem so guten Menschen
erzogen wurde, wie Gerhard einer war. Kaum aus dem sicheren Schutz des Elternhauses
gegeben, ereilte ihn das Schicksal.
Über ein Jahr waren wir täglich
mit Gerhard zusammen und wurden so beste Kameraden. Nun sitzen wir drei
allein hier und vermissen ihn als wäre er ein Stück von uns selbst.
Wir können ihn nie vergessen und werden immer an unseren Gerhard denken
müssen. Für uns ist er das beste Vorbild in soldatischer Pflichterfüllung
vor dem Feind. Im Angriff, da war er der Mann, den nichts aus der Ruhe bringen
konnte. Er kante nur eines, nämlich die ihm gestellte Aufgabe restlos
zu erfüllen. Und gerade uns Kampffliegern stellt man die schwere Aufgabe,
viele hundert Kilometer ins Feindesland zu fliegen, und ungeachtet der Abwehr
dem Feind empfindliche Schläge auszuteilen. So war es auch bei unserem
sechsten Feindflug, den wir zusammen machten. Schon am Tage zuvor flogen
wir zum Ladogasee und griffen ein fast ungeschütztes Ziel an mit bestem
Erfolg. Wir freuten uns deshalb auch, nochmals dort angreifen zu können.
Aber wer kann mit den Zauberkünsten der Russen rechnen? An diesem Schicksalstag
empfing uns eine selten starke Flakabwehr. Doch die Bomben ins Ziel bringen
war unser höchstes Gebot. Damit taten wir ja nur unsere Pflicht wie
all die anderen auch, die mit uns flogen. Es ging auch alles gut. Es war
etwa 20.05 Uhr, als wir auf Heimatkurs abkurvten. Da wurde plötzlich
unsere Maschine durch einen heftigen Schlag dermaßen erschüttert,
daß wir im Moment nicht wußten, was los war. Es ging alles so
schnell, und als wir wieder zur Besinnung kamen, war es schon geschehen.
Eine schwere Flakgranate drang durch die Bodenluke in unseren Führerraum
und detonierte am Führerraumdach so, daß wohl die Hauptwirkung
nach außen ging, Gerhard aber durch einige Splitter so schwer verletzt
wurde, daß er sofort tot gewesen sein mußte. Wir wollten es
alle nicht wahrhaben und steuerten den allernächsten Flughafen an in
der Hoffnung, daß die ärztliche Hilfe noch nicht zu spät
ist. Nach und nach kam es uns aber doch zum Bewußtsein, daß
menschliche Hilfe zu spät war. Er bedurfte unserer nicht mehr und hat
sich ganz unserem Herrgott anvertraut. So nahmen wir ihn mit nach Hause.
Es war sein letzter Flug, auf welchem er sein junges Leben für uns
gab.
Hart ist das Schicksal, hart unsere
Zeit und der Krieg und opfern wir heute größer denn je geschrieben.
Am Ende aber steht doch unser Sieg und eine bessere Zukunft für unsere
Eltern, Geschwister und Kinder, für unser ganzes Volk. Darum stehen
wir ja hier und kämpfen und wir wissen, es wird nicht umsonst sein.
Den 25. Juni gaben wir Gerhard mit
der gesamten Staffel das letzte Geleit und wir betteten ihn in Pleskau auf
dem Heldenfriedhof zur letzten Ruhe. Ein Feldgeistlicher befahl Gerhard
in seiner Andacht in den Schutz des Herrn, und unser Oberst mahnte uns an
sein Beispiel von Mut Tapferkeit und vollster Pflichterfüllung bis
in den Tod. Drei Ehrensalven waren unser letzter Gruß. So nahmen wir
für immer Abschied von ihm, nicht ohne uns zu versprechen, zu gegebener
Zeit den Weg zu seinem Grabe zu finden und ihn zu grüßen von
allen, denen er lieb und wert war.
Liebe Familie Johler. Die Schreiberlaubnis
der Staffel gab mir endlich die Gelegenheit, mein Herz zu Ihnen sprechen
zu lassen. Ob ich Ihnen einen kleinen Trost geben konnte, glaube ich kaum.
Meine Zeilen sollen Ihnen aber sagen, daß wir mit Ihnen um den schmerzlichen
Verlust von Gerhard fühlen. In herzlicher Anteilnahme grüßt
Sie
               Ihr
             Walburg
Rädel

Die Besatzung: Gerhard Johler, Beobachter;Anton Kneißl, Bordfunker;
Karl Englert, Mechaniker; Walburg Rädel, Flugzeugführer.
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Ingo Paul Johler *25.8.1884
in Wandsbek
stirbt 1950 in Hamburg.
°° in Bergedorf bei Hamburg am 10.8.1920 Erika Marie Hildegard Elilie
Jankwitz
Kinder:
3.1.) Egbert Gustav York
* 9.5.1921 in Hamburg
als Obergefreiter 3.12.1942 südostw. Strelizy
== Kriegsgräberstätte in Korpowo- Sammelfriedhof (Russland) Endgrablage:
Block 31 Reihe 16 Grab 934.
3.2.) Gerhard Hans
*26.7.1922 in Hamburg
als Soldat im Krieg 23.6.1943 (Flieger im Flugzeug über Russland
erschossen).
3.3.) Joachim Bernd
* 23.2. 1924 in Hamburg
als Leutnant 15.10.1944 Vieksniai, 10 km S.O. Moscheiken (Russland,
jetzt Lithauen)
Fotos vom
Soldatenfriedhof
3.4.) Bernd Gustav
* 18.3.1926 in Hamburg
als Soldat im Krieg durch Tieffliegerbeschuss auf Kurierfahrt bei
Rendsburg März/April 1945
== in Rendsburg im Massengrab
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