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1 persönliche Eintragung von Hans Johler in sein Exemplar vom Dammbau.
4 historische Buchbesprechungen zu Maragarete Boies Roman Dammbau
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Dammbau. Sylter Roman aus der Gegenwart.


Hans Johlers Gedanken nach der Lektüre des Buchs Dammbau 1930, eingetragen in sein persönliches Buchexemplar:

Das Böse ist immer agressiv gegen mich und sein Anblick verletzt mein Empfinden. Aber mein Verletztsein überwinde ich, um zu heilen in der Freiheit von mir selbst. Doch wo man den Lügen glaubt, die mich anschwärzen, glaubt ohne zu prüfen, da triumpfiert eben so lange die vorübergehende Finsternis. Und so lange wir noch einen Kraftaufwand brauchen, um eine Beleidigung zu überwinden, sind wir noch nicht recht lebendig und ganz gesund. Sei leidensfest und bleib unbeirrt durch Trübsal irgendwo in der Heimat im Aufbau! "Der Damm steht!"



Buchbesprechung von Curt Kohlmann in der "Lese", Köln, ca. 6.9.1930:

Margarete Boie "Dammbau". Im Januar 1928 behandelte unser Leitartikel das ragende Werk der Sylter Dichterin, die in ihren Büchern: Der Sylter Hahn, Moiken Peter Ohm, Bo der Riese, Die treue Ose, Die letzten Sylter Riesen - eine umfassende Geschichte der friesischen Insel und ihrer sturmgewohnten, harten Bevölkerung geschrieben hat. Mit dem vorliegenden Roman "Dammbau" krönt sie abschliessend ihr Werk und enthüllt noch einmal ihre verständnisvolle Liebe für den eigenwilligen Volksstamm, der kantig und knorrig die Jahrtausende überdauerte, um nun doch dem Geschick aller Ursprünglichkeit auf dieser Erde zu verfallen: aufzugehen in ein größeres Ganzes. Wie sich die prachtvollen Friesengestalten gegen die neue Zeit, die sich ihnen in dem Dammbau verkörpert, der die Insel enge mit dem Festland verbinden soll, stemmen, um doch zu unterliegen. Das ist von erschütternder, tragischer Wucht. Niemand kann sich der Bitternis dieses Geschehens entziehen, zumal die Autorin mit überragender Meisterschaft die in den Dammbau verwobene Tragik eines Einzelschicksals, des letzten Morsumer Pfarrers, als Verstärkung der Bitternis des Gesamtgeschehens zu malen versteht. In allen Nerven spürt man beim Lesen dieses bedeutenden Kunstwerkes, welch eine zermalmende Cäsur das Jahr 1918 in das Leben aller Zeitgenossen brachte, und wie sehr es notwendig ist, sich so oder so damit abzufinden., das Buch verdient wärmste Empfehlung.






Kritik des auf Sylt aufgewachsenen, in Hamburg literarisch berufstätigen Thomas Hübbe in den Hamburger Nachrichten vom 22.11.1930::

Dammbau
Dieser Roman ist der Schlußstein des Baues, den Margarete Boie in die nordfriesische, nämlich syltische Literatur mitten hineingestellt hat. Zehn Jahre hat sie unter den Syltern gelebt, hat die Sylter Geschichte und Sage studiert, eifrige Quellenforschung betrieben, Land und Leute kennen, verstehen und lieben gelernt - und all dem Geschehen den Odem des echten Künstlers eingehaucht: des Künstlers, nicht der Künstlerin. Denn Margarete Boie schreibt sachlich nach Mannesart. Sie hat nun Sylt verlassen; aber in den zehn Jahren hat sie uns eine Reihe von Arbeiten geschenkt, die uns die Sylter Art kennen und verstehen lehren. Ich erinnere an ihre Raomane "Der Sylter Hahn", "Moiken Peter Ohm", "Die letzten Sylter Riesen", "Waal - Waal" - die alle in diesem Blatte ihre Würdigung gefunden haben. Was sie nicht nur den Syltern, sondern uns Deutschen schlechthin gegeben hat, das wird man erst in späteren Zeiten ganz ermessen. Sie hat die schon schlafende Chronik dieser überaus interessanten Insel nach langem Interregnum wieder aufgenommen, in einer Form, daß auch der Nichtforscher es lesen mag. Sylter selbst tun das nicht; da müssen Freunde helfen. Wie stark ihr Können ist, möge man aus diesem ihrem Sylter Schwanengesang erkennen.
Vom Festlande nach Sylt wird ein Damm gebaut, der "Hindenburgdamm". Welch eine Dastellungskraft, welche Phantasie gehört dazu, diesen Klei und Schlick und dieses Gestein mit dem Kunstgewerbe eines Romans zu umspinnen! Margarete Boie hat es fertig gebracht, freilich mit einer Einschränkung: das übliche Liebespaar des Romans figuriert vornehmlich nur einseitig, und dazu im wesentlichen negativ. Der Dammbau: das ist es, worauf es ankommt, und um den sich alles dreht; und der auch die Entwicklung der Liebesgeschichte nicht fördert, sondern unheilvoll verzögert.
Das Dorf Morsum auf Sylt ist es, wo sich alles abspielt, das Dorf, das dem Damm zunächst gelegen ist. Die Morsumer wollen den Damm nicht; sie empfinden ihn als Störung ihres geruhsamen, anspruchslosen Daseins - nicht mit Unrecht. Nun sind die Hauptpersonen des Ganzen der von der Regierung beauftragte Baumeister des Dammes und der Pastor der Gemeinde Morsum. Im Gefolge des Baumeisters steht das Heer der festländischen, jedem Pastorale abgeneigten Arbeiterschaft. Der Pastor dagegen, als "unser Pastor" von der Gemeinde empfunden, wird von dieser gedrängt, mit ihr gemeinsam den Dambau zu verhindern. Er aber sieht weiter. Er sieht, daß der Damm unabweislich komt, und rät der Gemeinde, sich darauf einzustellen. Was für die Einheimischen das schlimmste ist: er erblickt in den Massen der binnenländischen Arbeiter auch Seelen, die seiner Fürsorge anvertraut sind. Das lassen sich die Morsumer nicht gefallen, und so formt sich der Konflikt des Romans. Indessen: der Damm wird gebaut, die ungeheueren technischen Schwierigkeiten bilden das Hauptthema des Romans, nicht minder aber die souialen zwei Welten stoßen hier zusammen; ihr Opfer ist der Pastor. Er muß weichen. Die Morsumer haben ihn gestürzt; aber als er gehen muß - er, der selbst ein Morsumer Kind ist - da haben sie das alles "nicht so gemeint". Der Kenner dier Dinge darf hier verraten, daß dies tatsächlich das Schicksal des letzten Morsumer Pastors gewesen ist. Nur gibt Margarete Boie ihm in ihrem Roman einen anderen Namen; und zwar den eines noch heute lebenden, christlich gläubigen Mannes von Morsum.





Buchbesprechung von Prof J. Malthaner in der University of Oklahoma Press, April 1931:

Dammbau
Mit Liebe und feinem Verständnis malt M. Boie den Kampf , der einsetzt zwischen der alten Generation mit ihrer gerechten, würdevollen und selbstzufriedenen Art und der ruhelosen jungen Generation mit ihren neueren Begriffen und abweichenden Anschauungen. Zwischen dem alten und dem Neuen steht die heroische Figur des Morsumer Pastors, der sich aufopfert im selbstlosen Bemühen, um seinen Leuten ein Führer zu sein und zugleich das Beste an ihrer Eigenkultur zu retten. Die Erbauung des Dammes gestaltet sich zum Symbol von Deutschlands Kampf nach dem Kriege. Zugleich gibt das Buch eine interessante und wertvolle Darstellung der Sylter Eingesessenen, und der klare Stil wie die straffe Handlung machen die Erzählung angenehm lesbar.






Buchbesprechung aus dem Hamburger Fremdenblatt vom 29.4.1931:

Margarete Boie: Dammbau. Sylter Roman aus der Gegenwart. Verlag J.F. Steinkopf, Stuttgart.
Die Wirkung des Dammbaues auf die Bevölkerung Sylts, die mit diesem Bau aufgehört hat, eine Insel zu sein und zu dem Festland, zu dem sie ursprünglich gehörte, zurückgekehrt ist, mußte tiefgreifend sein, konnte aber nur von einem Schriftsteller geschildert werden, der so innig mit den Inselfriesen verwachsen ist wie Margarete Boie. Der vorliegende Roman beweist denn auch, daß sie die Eigenart ihrer Landsleute zu packen und zu schildern versteht. Es war ein guter Gedanke, den Dammbau als ein Symbol des Wiederaufbaues Deutschlands zu fassen und an ihm wie an einem Beispiel zu schildern, welchen Hemmnissen und Widerständen beide begegnen. Das schlimmste, das klingt auch aus diesen vortrefflichen Erzählungen heraus, sind die i n n e r e n F e i n d e. Und wie der Vorkämpfer für diesen Damm zerbricht an dem Widerstandseiner eigenen Heimatgenossen, so hat auch Deutschland am schwersten zu kämpfen wider die eigenen Landgenossen. Auch Deutschland hat seine "Morsumesen", wie Pastor Eschels, der Held dieses Romans, diejenigen unter seinen Morsumer Dorfgenossen nennt, die unbedingt am Alten hängen und ihn deshalb hassen, weil er unter gewissen Vorbehaltenfür das "Neue" eintritt. Die Typen dieser Inselfriesen sind prachtvoll wiedergegeben, allerdings werden ihre Originale nicht allzu froh über diese Darstellung sein, denn sie werden nicht etwa als die Vertreter einer großzügigen Auffassung der friesischen Stammesart geschildert, sondern als die Verteidiger eines kleinlichen Dorfegoismus, einer bösen Klatschsucht, die sich nicht scheut, aus Vermutungen eine Anklageschrift gegen ihren eigenen Pastor zusammenzudichten und seine Absetzung vom Landeskirchenamt zu fordern. Diesen gegenüber steht die prachtvolle Figur des Pastor Eschels, der sich aus Heimatliebe und Freude über den Dammbau für die ärmliche Dorfpfarre von Morsum gemeldet hat und seine ganze Energie daransetzt, seine Dorfgenossen, zunächst die Morsumer, dann die ganze Sylter Bevölkerung, aufnahmefähig für das Neue zu machen, das der Damm bringt. Man möchte ihn den "letzten Friesen" nennen, und schon aus diesem Grunde verdient der Roman Beachtung. Wir hoffen, entgegen dem Pessimismus der Verfasserin, daß es noch mehr Eschels auf Sylt, Amrum und Föhr gibt. Eine prachtvolle Figur neben diesem geistigen Dammbauer ist übrigens auch der wirkliche Baumeister Bremer, der das "Werk des Satans" durch alle Fährnisse hindurchleitet.




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